Feministische Wissenschaftstheorie

Die feministische Wissenschaftstheorie bestreitet die positivistische Ansicht, dass die Wissenschaften frei von kulturellen Einflüssen sind. Dabei beruft sie sich auf ganz unterschiedliche Ansichten der gegenwärtigen Erkenntnistheorie.

In diesem Kurs werden die unten genannten Positionen untersucht, wobei die Betonung auf der Feministischen Kritischen Theorie liegt.

 Der Feministische Postmodernismus stellt die Objektivität des Wissens überhaupt infrage und betont die Formen der Macht und der Dominanz, die jedem kulturellen Verständnis anhaften. Nach Ansicht der Postmodernistinnen stellt die wissenschaftliche Weltsicht ledig den Mythos unserer Zeit dar. Wie alle Gedankensysteme untermauert diese Weltsicht die existierenden Formen der sozialen Dominanz und des darin enthaltenen Sexismus. Die postmodernen Feministinnen versuchen, die existierenden Formen der Dominanz unseres Denksystems zu entlarven.

Der Feministische Empirismus vertritt die Ansicht, dass die Wissenschaften trotz ihrer androzentrischen Vorurteile prinzipiell wertfrei sein können. Ihrer Ansicht nach sind die Wissenschaften in der Lage, die kulturellen Vorurteile auszuschießen, wenn sie sich an ihre eigenen Standards halten. Deshalb setzen sich Feministische Empiristinnen für die politische Gleichstellung der Frauen und für ihre Integration in die Wissenschafts­gemeinde ein. Damit soll es für die Frauen u. a. einfacher werden, an den im Prinzip wertfreien Wissenschaften teilzunehmen.

 Die Feministische Kritische Theorie (inklusive der Standpunkttheorie) besitzt zwar eine positive Einstellung zur Wissenschaft, geht aber dennoch davon aus, dass sich die Wissenschaften nach den Interessen und Bedürfnissen einer Gesellschaft richten und daher nicht frei von Werte und Normen sind.

Für sie ist es daher entscheidend, dass sich die wissenschaftlichen Beobachtungen und Entwicklung nicht nach den Interessen und Bedürfnissen einer bestimmten Gruppe, sondern nach denen der Allgemeinheit richten. Um einer Monopolisierung der Interessen und den Effekten eines einseitig androzentrischen Denkens entgegenzuwirken, bedarf es nach Ansicht der Feministischen Kritischen Theorie der Erhöhung des Frauenanteils im öffentlichen Leben sowie in den Wissenschaften allgemein. Wenn Frauen stärker als bisher in der Wissenschaft verankert sind und auch in den wissenschaftlichen Gremien gleichgewichtig mitentscheiden, welche Forschungsprogramme zu unterstützen sind, welchen wissenschaftlichen Fragen nachzugehen ist, wann ein Forschungsprojekt als abgeschlossen zu betrachten ist, wie Ergebnisse zu interpretieren sind usw. werden sich ihrer Ansicht nach die Wissenschaften anders entwickeln und letztlich „objektiver“ sein.

Die Form der feministischen Ökologie, die wir untersuchen werden, kritisiert Wissenschaft, Technologie und Sexismus im Hinblick auf ihre ökologischen Folgen. Demnach ist die androzentrische Dominanz von Kultur und Wissenschaft für die ökologische Krise verantwortlich, wobei die Krise selbst diese androzentrische Dominanz infrage stellt. Die feministischen Ökologie geht davon aus, dass ein stärkerer Einfluss von Frauen auf Kultur und Wissenschaft die Chancen verbessern, die Umweltkrise zu bewältigen. 

Im Mittelpunkt des Kurses stehen die Arbeiten von Helen Longino, Sandra Harding, Evelyn Fox-Keller, Donna Haraway, und Carolyn Merchant.

Dokumente zur Vorlesungen

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Einführungsvorlesung

25.04.2007: Positivismus, Popper, Kuhn

02.05.2007: Sandra Harding Zitate

09.05.2007: Mary Campbell on Dorothee Smith (in English. Article below)

09.05.2007: Dorothee Smith Zitate

16.05.2007: Gerda Lerner Zitate

30.05.2007: Eleonora Montuschi, Carolyn Merchant Zitate

06.06.2007: Stephen Jay Gould, Ruth Hubbard Zitate

Text links

English biography and summary of Dorothee Smith's work
English biography of Gerda Lerner

Audio links

Philosophy Talk Audio with Helen Longino
Evelyn Fox Keller on rethinking the gene
Evelyn Fox Keller on Women and Science
Evelyn Fox Keller, New Visions lecture
Evelyn Fox Keller on Nature/Nurture
Sandra Harding, U. Washington
Sandra Harding
Sandra Harding, Engaging Communities
Sandra Harding, Havens Center (This takes quite a while to download)
Dorothea Olkowski
The Intellectual Impact of Feminism (Use your windows search function to find this.)
Rereading the Second Sex (Use your windows search function to find this.)
Women and Technology (Use your windows search function to find this.)
Audio on Thomas Kuhn
BBC Audio on Karl Popper
Philosophy Talk Audio on Karl Popper