Wissenschaft und NormativitÄt

Die Wissenschaft galt lange als ein wertfreies Werkzeug, um die objektive Sicht der Welt zu enthüllen. Was „ist“ wurde als streng getrennt von dem was „soll“ wahrgenommen. Darüber hinaus hatten die Philosophen häufig die Zielsetzung, die einzelnen Wissenschaften in der reinen Vernunft zu begründen. Entsprechend wurden allein wissenschaftsinterne Kriterien zur Erklärung der Entwicklung der Wissenschaften anerkannt und externe Kriterien ausgeschlossen.

Während es Zielsetzung der Wissenschaftsphilosophie des 19. Jahrhunderts ist, die gleichsam „unsichtbaren“ konstanten Denkkategorien sowie die wissenschaftsinternen Strukturen offen zu legen, befasst sich eine Hauptströmung der Philosophie des 20. Jahrhunderts zunehmend mit der Aufgabe, die ebenfalls „unsichtbaren“ menschlichen Werte dieser Theorien aufzudecken und die Rolle wissenschaftsexterne Kriterien darzulegen.

Die „objektive“ Wahrheit gilt dabei immer noch, z.B. nach Habermas, als das „normative“, regulative Ziel der Wissenschaften. Wir fragen uns aber heute, inwiefern auch menschliche Werte diese allgemeine wissenschaftliche Zielsetzung beeinflussen. Welche Rolle spielen beispielsweise die Interessen des Militärisch-Industriellen-Komplexes bei der Entwicklungen der Wissenschaften? Inwiefern sind sexistische oder rassistische Vorurteile in Wissenschaftstheorie und –praxis enthalten? Welche Rolle spielt überhaupt die Normativität in den Wissenschaften?

Zielsetzung dieses Kurses ist es, diese Entwicklung näher zu untersuchen, d.h. sowohl die gängigen Wissenschaftstheorien des 19. und 20. Jahrhunderts zu erarbeiten als auch die Rolle, die die Werte in der Ausbildung und Gestaltung der Wissenschaften spielen.

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